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MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

Donnerstag, 13. Januar 2011

Dimmi dove vanno



Als Abschlussarbeit an der Kunstakademie Düsseldorf im Februar 2010 habe ich einen Kurzfilm gedreht, der vor allem auf meiner jahrelangen Beschäftigung mit Architektur und Mode basiert. Ich bin ständig auf der Suche nach außergewöhnlichen Orten und Gebäuden, die mich wiederum anregen, Kleider zu entwerfen. Die enge Verbindung zwischen Architektur und Mode ist für mich ein wichtiges Thema, da sich in beiden Bereichen ästhetische und funktionale Überlegungen bedingen. Dabei kommt mir das Medium Film sehr entgegen, da es das Studium von Räumen, Bewegungen und Materialien ermöglicht. 

Für meine Videoarbeit mit dem Titel „Dimmi dove vanno“ (15.37 min) habe ich Aufnahmen von Gebäuden in Düsseldorf, Berlin und Potsdam so zusammengeschnitten, daß der Eindruck einer fiktiven Stadt entsteht, in der sich die Protagonisten verfolgen. Dabei habe ich mich an typische Szenen aus Agentenfilmen der Sechzigerjahre angelehnt, sowohl was die Auswahl der Gebäude betrifft, als auch die Kostüme, die ich für den Film entworfen und angefertigt habe. Wir begegnen dem typischen Emma-Peel-Overall in Oscar Niemeyers Gebäude im berliner Hansaviertel und James Bonds hellblauer Frotte-Einteiler aus „Goldfinger“ hat seinen Auftritt in einem Yachthafen. Für die Unterwasseraufnahmen habe ich darüber hinaus aus transparentem Silikon ein Tintenfisch-Kleid hergestellt. Eine weitere Agentin verfolgt die Figuren trotz ständiger Kommunikation mit dem Weltall erfolglos. Insgesamt wird der Betrachter lange im Unklaren gehalten, ob der Film eine spielfilmartige Handlung hat, oder ob es sich um aneinander gereihte klischeehafte Szenen handelt. Auch die Auflösung am Ende zeigt, daß eigentlich alles ganz anders ist, als zunächst gedacht.

Bei meiner Abschlußpräsentation in der Kunstakademie Düsseldorf habe ich den Film an zwei über Eck liegende Wände projiziert und beide Videos zeitversetzt und als Endlosschleife abgespielt, sodaß die Protagonisten sich über die Ecken anschauen und verfolgen konnten und die Bewegungen über beide Wände hinweg verliefen. Dies verhalf den Zuschauern zu dem Gefühl, sich mitten in dem projizierten Räumen zu befinden und am Geschehen Anteil zu haben.

Idee, Kamera, Schnitt, Kostüme: Julia Zinnbauer
Musik, Unterwasseraufnahmen: Robert Brümmerhoff
Mit Yasemin Dincer, Axel Schrooten, Julia Zinnbauer
Düsseldorf, Berlin, Potsdam 2010

Samstag, 8. Januar 2011

Mindestens haltbar bis Ende: siehe Deckelboden

Architektonisch gesehen ist Düsseldorf ist eine sehr lebendige Stadt. Hier wird nicht gespart, hier herrscht der totale Fortschritt. Alles wird immer noch schöner und der alte Dreck kommt weg. Tatsächlich ist die Stadt seit Jahren eine riesige Baustelle. Geschäfte müssen schließen weil wider Erwarten die Kunden wegbleiben. Man findet die Läden hinter den Bauzäunen einfach nicht mehr. Ist doch egal, wir haben den Grand Prix. Und bald auch den schönen Kö-Bogen, wo es ganz viele schöne neue Filialen geben wird, und bestimmt auch Büroräume. Was mich dagegen wundert, das ist das ganz neue Konzept des Downgradens. Früher einmal, da stand die Königsallee für Luxus und Prestige. Wie in anderen großen Städten, z.B. Paris oder London, gab es sogar ein Kino dort, die Lichtburg. Der ganz neue Trend ist es aber, wie kürzlich in der Kö-Galerie geschehen, daß einfach der ganze Plunder abgebaut wird, also die hochwertige Granitverkleidung und die Messingaufzüge im Derrick-Stil, und stattdessen ein paar zukunftsweisende Rolltreppen installiert und die Wände mit Alpinaweiß angestrichen werden. Diesem Trend entsprechend wird eine weitere Einkaufspassage ganz in der Nähe der Kö-Galerie nun ebenfalls dem aktuellen Zeitgeschmack angepasst. Der immerhin schon zehn Jahre alte Jahrtausendwende-Weltraum-Look kommt weg. Damals, da waren Filme wie "Matrix" modern, so etwas möchte man heute ja nicht mehr. Wie viel schöner ist doch das Kaufhaus-Ensemble am Berliner Alexander-Platz mit seiner warmen Sandstein-Wohlfühl-Atmosphäre. Ja, das neue Jahrzehnt ist kuschelig. Wir tragen weich fließende Blumenkleidchen zu unseren Schlafanzug-Leggins und Kuschelstiefel, damit können wir uns nämlich auch im Shopping-Paradies wie zu Hause fühlen.