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MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Königsbacher Brauerei Koblenz 1970


Ich war noch ganz klein, als ich mit meinen Eltern zum ersten mal auf der Terrasse der Brauerei Königsbacher in Koblenz saß und den Blick auf das Rheintal genoß. Es war Sommer, Ausflugsdampfer fuhren den Rhein entlang und über uns ragte das riesige Kesselhaus in den Himmel. Seither geistert die etwas unscharfe Erinnerung an ein düster bombastisches Gebäude in einer äußerst romantischer Lage durch mein Bewusstsein. Es ist wie mit James-Bond-Filmen. Man schaut sie hundertmal in seiner Kindheit und stellt erst später fest, warum man so fasziniert davon ist und warum einen immer wieder diese Euphorie befällt, die man als Kind noch garnicht definieren konnte. Es ist die unglaubliche Ausstattung, es sind die Details, die Bildkompositionen, die zusammen dieses spezielle Universum bilden, das man zunächst nur als Rausch wahrnimmt.

Mein diesjähriges Weihnachts-Highlight war die Fahrt durch das Rheintal, die mich nach Jahren wieder durch den koblenzer Stadtteil Stolzenfels führte. Ich fuhr auf das riesige Tankhaus zu, hinter dem sich der steile winterliche Berhang auftürmte und war fassungslos, wie klar es plötzlich war, warum mich beim Gedanken an das Gebäude immer ein angenehmes Gefühl der Wehmut beschlichen hatte. Der Kesselturm, der über der zum Rhein ausgerichteten Betonterrasse aufragt, besitzt nicht nur gigantische Dimensionen, er ist zudem mit einer spektakulären Blechfassade geschmückt. An der südlichen Seite des Gebäudes überdachen acht grüne Streben die Seitenterrasse, knicken ab und schaffen sich zum Boden hin verjüngend einen eleganten Übergang zwischen dem massigen Turmbau und der Fläche um das Gebäude.

Montag, 19. Dezember 2011

Pink Parachutes


Als kerniges junges Mädchen war es für mich früher eine Selbsverständlichkeit, die Farbe Pink kategorisch abzulehnen. Das änderte sich schlagartig, als ich eines Tages, vermutlich im legendären Jahr 2003, mit meinem Herrn Papá durch Südfrankreich fuhr und wir uns auf dem direkten Weg nach Carcasonne befanden. Immer wieder sahen wir Militärjeeps am Rande der idyllischen Landstraße stehen, über deren Motorhauben pinkfarbene Planen gespannt waren. Dazu posierten in Tarngrün gekleidete Herren neben ihren Automobilen. Diese poppige Farbkombination verwunderte uns sehr und erst später stellten wir fest, daß in Carcassonne ein Fallschirmjägerregiment stationiert ist. Wie aufregend! Also dienten die pinkfarbenen Planen den vom Himmel herabschwebenden Parachutisten offensichtlich als Markierungen. 


Bei mir markierte diese Beobachtung jedenfalls eine Bewusstseinswende bezüglich der Farbe Pink. Als wir nach unzähligen Wochen von unserer Südfrankreich-Runde wieder nach Hause kamen (wozu uns aber auch nur eine Überschwemmung bringen konnte), entwarf ich mir sofort ein Parachoutisten-Kleid. Die Basis des Kleides war mein Lieblings-Korsettschnitt und ich weiß noch, wie ich damals voller Bessessenheit Schnüre pinkfarben einfärbte. Um einen weicheren Übergang zwischen dem starren Korsett und der Haut zu schaffen, kam zusätzlich ein ebenfalls pinkfarben angestrichenes Hemdchen hinzu, das aus einer zerschnittenen Stumpfhose bestand.

Ergebnis dieser Euphorie ist neben dem Parachoutisten-Kleid auch die Schriftfarbe meines Blogs. Offensichtlich ist Pink doch nicht nur kleinen Mädchen mit Ponyzeitschriften vorbehalten, sondern auch Fallschirmspringern, Betonliebhabern und natürlich Pantherkatzen.

Fotos: M. Zimmermann

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Jahresausstellung im Verein der Düsseldorfer Künstler: Barbara Schmidt


Etwas verspätet berichte ich über die Eröffnung der Jahresausstellung 2011 des Vereins der Düsseldorfer Künstler, gegr. 1844 (VDK), die bereits vor einer Woche stattfand. Nicht nur der Verein, der im Jahr 1844 von Künstlern wie Wilhelm von Schadow und Adolf von Menzel gegründet wurde, ist eine Institution im düsseldorfer Kunstbetrieb, auch der Sitz des Vereins ist legendär. Nach dem Erfolg der großen düsseldorfer Kunstausstellung im nahegelegenen Kunstpalast im Jahr 1902 entstand 1908 auf der Sittarder Straße das Künstler-Atelierhaus, in dem der VDK eine vereinseigene Galerie betreibt, die Sitt-art Galerie. 

Mit Barbara Schmidt hat der VDK nun sein jüngstes Mitglied aufgenommen. Die Fotografin inszeniert mit perfekt gesetztem Licht und Fundstücken wie bizarren Pflanzenteilen und Insktenflügeln geheimnisvolle Landschaften, deren unzählige Details lebendig zu sein scheinen. Man glaubt sich in eine Unterwasserwelt versetzt, deren Pflanzen und Lebewesen sanft hin und her schweben. Barbara Schmidt behandelt die Frage nach der Realität und Illusion, vor allem aber schafft sie in ihren Fotografien Momente großer Schönheit. 
 


Studiert hat Barbara Schmidt bei Christopher Williams und Thomas Grünfeld, ihren Abschluß an der Kunstakademie Düsseldorf plant sie für den nächsten Rundgang im Februar 2012. Mehr von der Künstlerin gibt es hier zu sehen: Grauscala

Die Jahresausstellung des Vereins Düsseldorfer Künstler kann samstags und sonntags zwischen 15.00 und 18.00 Uhr besichtigt werden, für weitere Informationen bitte hier entlang: Link VDK

Die Panoramaaufnahme der aktuellen Ausstellung in der Sitt-art Galerie stammt von Thomas Grimberg.

Dienstag, 6. Dezember 2011

4 Wände Marie: Stefanie Pürschler und Eric Alexander stellen aus

Die Königsallee ist nicht die einzige Straße, die zu düsseldorfs Ruf als Modemetropole beiträgt. Als Pendant zur Glitzermeile wird seit Jahren die Ackerstraße angesehen, die mit ihren unzähligen Boutiquen und Galerien inhaltlich einen Gegenpol zur Kö darstellt. Hier findet man nicht die typischen Luxusfilialisten, sondern individualistisch geführte Läden, die für außergewöhnliches Design und Innovation stehen.

Alexandra Marie Walter, die ihr Projekt 4 Wände Marie vor einigen Wochen lanciert hat, wollte sich nicht zwischen Galerie und Boutique entscheiden und eröffnete gleich einen ganzen Concept Store. Bei 4 Wände Marie kann man Vintagegekleidung, Accessoires und Ameublement erstehen, der Laden bietet darüber hinaus aber auch eine Plattform für Ausstellungen und Lesungen. 

„Es war sehr gut“ lautet nicht nur der Titel der aktuellen Ausstellung von Stefanie Pürschler und Eric Alexander, die am Samstag in Frau Walters Kunstraum eröffnet wurde, „Es war sehr gut“ ist auch das Fazit des Abends. Mit dem Betreten des Ladens tauchte man in eine ganz andere Welt ein, deren Atmosphäre aus einer Mischung von cool und märchenhaft bestand, und bis spät in die Nacht hinein wurden unter den funkelnden Kronleuchtern Stefanie Pürschlers Mangaschwämme und Eric Alexanders Fotoserie gefeiert. Ursprünglich ebenfalls Fotografin, überschreitet Frau Pürschler immer wieder die Grenzen des Mediums und experimentiert mit den unterschiedlichsten Bildträgern, wie Beton, Teppich, Sand, oder wie hier: Spülschwämmen. Eric Alexander (Link) dagegen widmet seine Fotoserie ganz der Nacht, der Schönheit und dem verschwommenen Glanz.

4 Wände Marie befindet sich auf der Ackerstraße 80 im Stadtteil Flingern, für weitere Informationen bitte hier entlang: Link zu 4 Wände Marie.
Eric Alexander, Stefanie Pürschler

Samstag, 3. Dezember 2011

Georg Heinrichs: Konsistoriumsgebäude der Evangelischen Kirche - Der Abriss

 
Im August diesen Jahres habe ich in Berlin das Konsistoriumsgebäude der Evangelischen Kirche von Georg Heinrichs fotografiert und über den geplanten Abriß des phantastischen Bauwerks berichtet (bitte hier entlang).Von René Schaller (rene-schaller.blogspot.com) habe ich nun vor einigen Tagen erfahren, daß der Abriß mittlerweile weit vorangeschritten ist. René war so freundlich, einige Aufnahmen des Geländes zu machen. Vielen Dank, René! So traurig die Bilder stimmen, das Ende einer großes Vision, der Glaube der späten Sechzigerjahre an Fortschritt, Geschwindigkeit und moderne Materialein, muß dokumentiert werden.

Auf Renés erstem Foto erkennt man zudem sehr schön die Lage von Heinrichs’ Gebäude, und zwar befand es sich in direkter Nachbarschaft zur EGKS Versuchsstation Schleswiger Straße, einem Experimentellen Modulbau aus Stahlelementen der Forschungsgesellschaft für industrielle Bausysteme, 1978 offensichtlich im Geist der Case Study Houses gebaut. Somit wurde mit dem Abriß des Konsistoriumsgebäudes nicht nur ein künstlerisch anspruchsvoller, skulpturaler Bau zerstört, sondern auch ein sehr interessantes Ensemble auseinandergerissen.



Donnerstag, 1. Dezember 2011

Stuttgart, Paul Bonatz, 1913-27. Ausgemustert.

Heute gibt es hier keinen Adventskalender, heute gibt es die echte Realität. Die stuttgarter  Volksabstimmung ist gescheitert, Paul Bonatz' Bahnhof wird weiter abgerissen und was ich von der Sache halte, muß ich wohl nicht erläutern. 

Als ich noch ganz klein war, habe ich meinen Vater bei einem Schulausflug nach Stuttgart ins Mercedes-Museum begleitet. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie sehr mich damals die lichtdurchfluteten und gleichzeitig düster-bombastischen Hallen beeindruckt haben. Am besten ist es wohl, man fährt einfach nicht mehr nach Stuttgart, dann kann man sich seinen schönen Erinnerungen bewahren.