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MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

Montag, 30. Juni 2014

Tristan, die Dachterrasse und das autogerechte Opernhaus - Das Staatstheater Darmstadt von Prange / Lederer


Das sind die Dachterrassen, für die ich meine Kleider entwerfe.





Ideale Inszenierungen die innerhalb dessen stattfinden, was man gemeinhin als Realität bezeichnet, stoßen bei mir immer auf ungeteilte Begeisterung. Als also kürzlich meine Mutter bei mir anrief und mit dringlicher Stimme sagte, dass am Pfingstsonntag in Darmstadt zum allerletzten Mal „Tristan und Isolde“ in der Inszenierung des scheidenden Intendanten John Dew aufgeführt wird, wusste ich, dass es zu handeln galt. Schließlich ging es hier um eine Verbindung zwischen aufregender moderner Architektur und Richard Wagner, die zu erleben war. Es drängte sich die Frage auf, die sich vermutlich auch der Regisseur gestellt hatte: wie werde ich der Sache gerecht? Und was ziehe ich an? Ich buchte also das volle Glamour-Programm inclusive 34 Grad Sommertemperaturen und fuhr den Rhein entlang in Richtung Süden. 

 Das Staatstheater Darmstadt wurde bereits vor dreihundert Jahren gegründet, im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude zerstört, man behalf sich einige Jahre lang mit einer Orangerie als Aufführungsort und beauftragte 1963 schließlich den Architekten Rolf Prange mit einem Neubau. 1972 wurde das neue Haus dann am Büchnerplatz eröffnet, ein solider, für diese Zeit ganz typischer Bau mit klaren Formen und einer eleganten breiten Treppe, die vom Foyer aus in den oberen Bereich führt. Um die Jahrtausendwende sollte das Haus dann saniert werden. Wenn es um die Sanierung von Betongebäuden aus dieser Zeit geht, zuckt man unwillkürlich zusammen und denkt an zugespachtelte Fugen, dicke Farbschichten und aufgeklebte Styroporplatten. In Darmstadt ging man anders vor.

Freitag, 13. Juni 2014

Die ganze Stadt riecht nach Linden

Mark Dion: Vivarium, 2002; Hofgarten Düsseldorf. Nach dem Sturm.

Die ganze Stadt riecht nach Linden. Viele der Linden liegen waagerecht auf der Erde und strecken ihre riesigen Wurzeln in den grellblauen Sommerhimmel. Die Rasenflächen zu ihren Füßen haben sich im Neunzig-Grad-Winkel aufgestellt. Am Abend des Pfingstmontags, am 9. Juni, ist der schlimmste Sturm aller Zeiten über Düsseldorf hereingebrochen und ich war nicht zu Hause. Ich befand mich einige hundert Kilometer südlich der Stadt auf dem Loreley-Felsen, schaute in die strahlende Sonne und war erstaunt, wie sich plötzlich um kurz vor acht Uhr abends das Licht änderte und es grau wurde im Norden. Vom Ausmaß der Katastrophe erfuhr ich erst auf der Heimreise am Dienstag, als ein freundlicher ICE-Schaffner mich in Koblenz mit meinem Rheinland-Pfalz-Ticket zusteigen ließ und mir mit der Entschuldigung, dies sei ja kein Champagner, ein Wasser anbot.