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MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

Dienstag, 19. Januar 2016

HEIMATPLAN. Eine Ausstellung über die Sicht zeitgenössischer Künstler auf die Architektur der Nachkriegsmoderne in der Galerie GRÖLLE pass: projects Wuppertal

Foto: Chris Dreier























Galerie Grölle pass:projects präsentiert

>> HEIMATPLAN <<

Eine Ausstellung über die Sicht zeitgenössischer Künstler auf die Architektur der Nachkriegsmoderne - zusammengestellt von Julia Zinnbauer.

Herzliche Einladung zur Ausstellungseröffnung am Samstag, dem 23.01.2016 um 19:00 Uhr


Mit Arbeiten von

Matias Bechtold (Berlin)
Chris Dreier (Berlin)
Bert Didillon (Köln)
Gary Farrelly (Dublin/ Brüssel)
Lothar Götz (London)
Alekos Hofstetter & Florian Göpfert (Tannhäuser Tor, Berlin)
Pablo de Lillo (Oviedo/Gijon)
Julia Zinnbauer (Düsseldorf)


Galerie GRÖLLE pass:projects
Friedrich-Ebert-Straße 143e
D-42117 Wuppertal
fon +49 (0)1732611115
www.passprojects.com
WED - FRI 4 - 7 PM / SAT 11 - 3 PM
Schwebebahn: Haltestelle Pestalozzistraße


Heimatplan

Der schmale elegante Turm der Stadtsparkasse Wuppertal überragt in seiner ungewöhnlich technischen, futuristisch wirkenden Form die gesamte Stadt und hebt sich deutlich von den Gründerzeitgebäuden der Industriemetropole ab. Beinahe von der ganzen Stadt aus ist das raumkapselartige Penthouse des Gebäudes zu sehen, von den waldigen Hängen des Bergischen Landes aus, von der Autobahn, die die Stadt an Düsseldorf und Köln anschließt und natürlich auch von der Schwebebahn aus, die am Fuße des markanten Turms vorbei rauscht und ein nicht weniger visionäres Wahrzeichen Wuppertals darstellt. Die Ausstellung „Heimatplan“, die am 23. Januar in der Galerie GRÖLLE pass:projects eröffnet wird, zeigt den Blick zeitgenössischer Künstler auf die Architektur der Nachkriegsmoderne (Link).

Die Architektur der Nachkriegsmoderne
Überall in Europa entstanden in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg Gebäude aus einem ganz ähnlichen Geist heraus wie der Turm der Stadtsparkasse. Die Architekten, die die zerstörten Städte wieder aufbauten, ganze Viertel und Zentren neu anlegten und eine neue Infrastruktur planten, verfolgten dabei ganz bestimmte Ideale. Es ging ihnen um das Umsetzen demokratischer Ziele, um menschenwürdiges Wohnen, um Transparenz und Eleganz und vor allem um einen optimistischen Glauben an die Zukunft. Neu entwickelte Materialien und Techniken aus der Luft- und Raumfahrt ermöglichten zudem innovative Gebäudeformen und nicht selten eine sehr skulpturale Herangehensweise.Die Architektur der Nachkriegsmoderne reicht in ihrer Bandbreite von streng funktionalen Modulbauten, Rasterfassaden und vermeintlich spröder Zweckarchitektur über futuristisch wirkende Space-Age-Konstruktionen bis hin zur rauen Opulenz brutalistischer Betonbauten.

Die heutige Sicht auf die Nachkriegsmoderne
Viele Gebäude dieser Epoche verschwinden heute beinahe unbemerkt aus dem Stadtbild, oftmals ohne Widerspruch der Bevölkerung. Andere werden im Rahmen des Bauens im Bestand bis zur Unkenntlichkeit modifiziert. Dabei geht gerade das, was das Charakteristische dieser Bauten ausmacht, verloren: die eleganten Proportionen, die aus dem Zusammenspiel von Linien und Flächen entstehen, die subtilen Details der Gestaltung, die sich beispielsweise in der Verbindung von Oberflächen und Fugen zeigen, bis hin zu den ganz typischen Materialien und Farben dieser Zeit. Einige wenige Gebäude, wie das der Stadtsparkasse Wuppertal, werden in ihrer Besonderheit geschätzt und unter Denkmalschutz gestellt. Oftmals jedoch sind sie großer Unkenntnis und Ignoranz ausgesetzt.

Wir leben in einer Zeit, in der man infolge einer riesigen Bilderflut wohlwollend auf alle möglichen Stile und Epochen zurückblickt. In den Bereichen Mode, Film und Architektur spielt der Retrogedanke seit Jahren eine große Rolle. Wie kann es jedoch sein, dass ausgerechnet die Architektur der Nachkriegsmoderne derart in Gefahr ist? Was ist aus den Utopien dieser Zeit geworden und wer glaubt heute noch an sie? Worin liegt die Schönheit der Gebäude, die in diesem Zusammenhang entstanden sind?

Heimatplan. Eine Ausstellung in der Galerie GRÖLLE pass:projects
Die Künstler der Ausstellung „Heimatplan“ stellen genau diese Fragen. So unterschiedlich sie sich in ihrem jeweiligen Medium mit den Formen und Idealen der Nachkriegszeit auseinandersetzen, so haben sie dennoch eine große Gemeinsamkeit. Allesamt sind sie geprägt von der Begeisterung für die architektonische Bildsprache der Nachkriegsmoderne. Sie betrachten die verschiedenen Gebäude dieser Epoche in ihrem kunst- und kulturgeschichtlichen Zusammenhang, stellen Bezüge zu städtebaulichen und gesellschaftlichen Fragen her, sehen aber auch das Phantastische in der Architektur dieser Jahre und die Verbindung zu Science-Fiction-Filmen, Sputnik-Schock und Mondlandung. 

„Heimatplan“ stellt die Bedeutung der Nachkriegsarchitektur in unserer heutigen Zeit heraus und lässt die ganz besondere Schönheit dieser Gebäude sichtbar werden.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist der 100. Geburtstag des Architekten Paul Schneider von Esleben im Jahr 2015 und sein Entwurf für die Stadtsparkasse Wuppertal. Wie die einzelnen Künstler des Projekts „Heimatplan“ ihre Identifikation mit dem Geist der Moderne jeweils umsetzen, ist ab dem 23. Januar 2016 in der Galerie GRÖLLE pass:projects in Wuppertal zu sehen.

Zu weiteren Informationen geht es hier entlang: www.groelle.de, darüber hinaus kündigt auch das M:AI die Ausstellung "Heimatplan" in einem opulenten Artikel auf seiner Seite an (Link).

Ab dem 20. 01. 2016 ist zudem der zweite Teil der Ausstellung "Paul Schneider von Esleben - Das Erbe der Nachkriegsmoderne" des M:AI in der Stadtsparkasse Wuppertal zu sehen (Link).

Im April 2016 findet dann unter dem Titel  „Neue Heimat“ eine weitere Ausstellung zum Thema Nachkriegsmoderne in der Galerie weißer elefant in Berlin statt, die im  Zusammenhang mit dem Projekt „Heimatplan“ entsteht.



English version: 

Heimatplan

In its futuristic shape the elegant and slender building of the Stadtsparkasse Wuppertal towers high above the whole city and stands out distinctly from the historic constructions of the industrial metropolis. From almost all over the city the space capsule-like penthouse of the building can be seen - from the sylvan slopes of the so called "Bergisches Land", from the motorway that connects the city to Düsseldorf and Cologne and also from the Schwebebahn, that rushes by at the foot of the distinctive tower and which is no less a visionary landmark of Wuppertal. The exhibition called "Heimatplan", which will be opened at GRÖLLE pass:projects gallery in Wuppertal on January 23rd, deals with the way contemporary artists see the architecture of post-war modernism.

Post-war modernist architecture
After the Second World War all over Europe a large number of buildings were developed in a similar spirit as the tower of the Stadtsparkasse Wuppertal. Pursuing very ambitious ideals, architects reconstructed the cities that were destroyed by the war, they created new urban districts and planned new infrastructures. These architects aimed at the realization of democratic goals, at decent housing conditions, at transparency and elegance and above all they were concerned with an optimistic belief in the future. Moreover, materials and techniques that were newly developed in the aerospace industries made possible innovative shapes of buildings and often led to a very sculptural approach. The spectrum of post-war modernist architecture ranges from the strict functionality of modular buildings over supposedly demure administrative buildings with grid-like facades to futuristic space-age constructions and also to the rough opulence of brutalist concrete buildings.     

Today's view of post-war modernism
Today many buildings of this era disappear from the cities almost without their loss being noticed and very often without any protest by the citizens. Others are being modified beyond recognition in the context of building redevelopment. In this way especially the characteristic qualities of these houses get lost: the elegant proportions that are formed by the interaction of lines and planes, the subtle details of the design which e.g. can be seen in the combination of surfaces and joints and also the very typical materials and colours of that period. Just a few buildings such as the high rise of the Stadtsparkasse Wuppertal are being appreciated for their uniqueness and are declared “historic monuments”. Often, however, they are exposed to a lack of knowledge and ignorance.

Due to a flood of images we live in a time in which people look back benevolently at all kinds of styles and eras. In the areas of fashion, film and architecture the retro idea has been playing a role for many years. Why is just post-war modernist architecture so much in danger? What happened to the utopias of that time and who does still believe in them? What does the beauty of the buildings that came into being in this context consist in?
 
Heimatplan. An exhibition at GRÖLLE pass:projects
The artists who take part in the exhibition called "Heimatplan" ask exactly these questions. Even though they deal with the shapes and ideals of the post-war era in their own individual way, there is one thing they all have in common. They all share a great enthusiam for the visual language of post-war modernist architecture. They regard the various buildings of that period in their artistic, their cultural and their historical context. They discuss the relationship between urbanism and social issues. But they also estimate the architects' imagination in the context of science fiction films, the Sputnik shock and the moon landing. "Heimatplan" emphasises the importance of post-war modernist architecture at present time and reveals the particular beauty of these buildings.

The exhibition has its origin in the 100th birthday of Paul Schneider von Esleben in 2015, the architect who designed the building of the Stadtsparkasse Wuppertal. From January 23rd to March 17th 2016 the way the artists of the "Heimatplan"-project deal with the spirit of modernism can be seen at GRÖLLE pass:projects gallery in Wuppertal.
 
In April 2016 an additional exhibition that deals with post-war modernist architecture named "Neue Heimat" will be opened at "weißer elefant" gallery in Berlin.

Text and translation: Julia Zinnbauer