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MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

Freitag, 26. Mai 2017

Schwerelos im Rausch der Bilder - Wie der Fotograf Charles Wilp mit seinen Africola-Spots die Werbung revolutionierte

Ein Workshop im Stadtmuseum Düsseldorf im Rahmen der Ausstellung 
„Werbung – Die Kunst der Kommunikation“

Filmstill aus meinem Kurzfilm "ellipsoid episodes", der im Jahr 2012 bei der Eröffnung des Museums Charles Wilp Space in Witten zu sehen war























 
Im Stadtmuseum Düsseldorf findet zurzeit die Ausstellung „Werbung – Die Kunst der Kommunikation“ statt, die sowohl in künstlerischer als auch in historischer Hinsicht die Werbemetropole am Rhein beleuchtet (Link). In diesem Zusammenhang veranstalte ich am Samstag, dem 3. Juni 2017 um 14 Uhr einen Workshop über den Fotografen Charles Wilp, zu dem ich Euch herzlich einlade.  

Als vor einigen Jahren in Charles Wilps Heimatstadt Witten das dem Fotografen und Künstler gewidmete Museum Charles Wilp Space geründet wurde, gehörte zu den Exponaten auch ein Futuro, eines der Ufo-Gebäude des finnischen Architekten Matti Suuronen aus den späten Sechzigerjahren. In diesem Fiberglas-Ufo habe ich damals meinen Kurzfilm "ellipsoid episodes" gedreht, der von der Weltraumbegeisterung und dem schwerelos-optimistischen Lebensgefühl der Sechzigerjahre handelt (Link). Bei der Eröffnung des Museums im September 2012 war der Film zwischen Wilps Africola-Spots und seinen aus Weltraum-Technik bestehenden Skulpturen zu sehen (Link), sowie einige Zeit später auch bei den Oberhausener Kurzfilmtagen. Aufgrund dieser intensiven Beschäftigung mit Charles Wilp und seiner Zeit haben mich die Macher der Ausstellung, die aktuell im Stadtmuseum Düsseldorf zu sehen ist, nun kürzlich nach einen Workshop zu diesen Themen gefragt.




Mit seinen weltbekannten Africola-Webespots war der düsseldorfer Fotograf Charles Wilp einer der ersten seiner Branche, die nicht nur ein Produkt, sondern ein gesamtes Lebensgefühl verkaufen. In seinen Clips für das koffeinhaltige Brausegetränk fasste er all das zusammen, was das Lebensgefühl der 60er- und 70erjahre ausmachte, genau so, wie es der Slogan versprach: „Alles ist in Africola“. Pionier war er darüber hinaus auch auf dem Gebiet der Selbstinszenierung. Ihm gelang das, was vor im noch niemand erreicht hatte: bis heute verbindet man seine Africola-Clips nicht nur mit der Limonade selbst, sondern auch mit dem Schöpfer der gesamten Werbestrategie. Mit Joseph Beuys und Andy Warhol befreuendet, schuf der „Artronaut“ Wilp Werbung, die die Grenze zur Kunst überschreitet. Er war an der Dokumenta 5 beteiligt und machte sogar eine Ausbildung zum Astronauten. Im Rahmen des dreistündigen Workshops soll zunächst kurz auf die Geschichte Düsseldorfs als Werbestadt eingegangen werden. Im Anschluss sollen die verschiedenen Africola-Clips von Charles Wilp in ihrer Beziehung zum damaligen Zeitgeschehen und zur Kunst- und Kulturgeschichte der 60er- und 70erjahre hin untersucht werden. In diesem Zusammenhang soll darüber hinaus auch Hugh Hefner thematisiert werden, der mit seinem Lifestyle-Magazin „Playboy“ ein früher Vertreter des Corporate Designs ist und zeitgleich mit Wilp diverse Formen der Selbstinszenierung entwickelt hat. 

Der Workshop findet am Samstag, dem 3. Juni 2017 von 14 bis 17 Uhr im Stadtmuseum Düsseldorf statt, zu weiteren Informationen geht es hier entlang: Link.

Und für diejenigen, die sich schon vorher in den absoluten Africola-Rausch begeben wollen: der Africola-Bus ist on tour und macht auch in Düsseldorf Station! Wann und wo genau, das seht Ihr bei Instagram und Facebook (Link).


Sonntag, 14. Mai 2017

gravity - A kinetic sculpture by Wolfgang Flad





Berlin-based artist Wolfgang Flad is currently showing his work at GRÖLLE pass:projects gallery Wuppertal. For the exhibition entitled "Arbeiten gegen die Schwerkraft" I made a video about his kinetic sculpture named "gravity".

In addition to that Wolfgang Flad, Isabel Kerkermeier and Kaveri Riana cordially invite you to their exhibition which will be opened today at Devening projects + editions in Chicago:

K.R.F.

Opening Reception: Sunday, May 14, 4 – 7 pm

May 14 – June 17, 2017

Gallery Hours: Saturdays 12 – 5 pm and by appointment
 
devening projects + editions
3039 West Carroll
Chicago, IL 60612

Donnerstag, 13. April 2017

Ankündigung für Karfreitag: Bazon Brock spricht bei GRÖLLE pass:projects, mit einem Gastbeitrag von Julia Zinnbauer

Bazon Brock spricht über Kunst und Religion in der Ausstellung "Whatever" von Bert Didillon bei GRÖLLE pass:projects





























Nachdem er seinem ersten Vortrag mit dem Titel "Kunst und Religion - Die Scheidung der Geister" im Rahmen der Denkerei mobil bei GRÖLLE pass:projects am 12. März 2017 gehalten hat, spricht Bazon Brock bereits morgen, am Karfreitag erneut in der Wuppertaler Galerie. Ganz herzlich lade ich Euch dazu ein, mit uns feierlich den Karfreitag zu begehen.

Karfreitag, 14.04.2017 : 11.30 Uhr

Denkerei mobil
BAZON BROCK

Karfreitag - Festtag der Philosophen
Über Göttermord und Bildzerstörung

Mit einem Gastbeitrag von
JULIA ZINNBAUER
Life imitates art - Wie Dorian Gray mit Lust sein Bildnis zerstört

 

Wer den Vortrag "Kunst und Religion - Die Scheidung der Geister" versäumt hat, kann sich hier meinen Mitschnitt vom 12. März anschauen:






Bazon Brock zum Karfreitag:

Wir tauchen ab in die Entzauberung des Zaubers. Karfreitag, der Feiertag der Philosophen, der großen und der minderen; also auch unser Festtag, der Tag der hochzielenden Weltveränderer, der intellektuellen Berserker und wissenschaftlichen Wundertäter? Karfreitag, der Festtag heroischer Übermenschen!

Endlich es den Göttern heimzahlen; vor allem den Gott der christlichen Geschöpfesliebe einmal zur Verantwortung ziehen, indem wir ihm jenes Elend zumuten, dem er uns so unerbittlich ausliefert im menschlichen Dasein. Ihn wenigstens auch einmal viehisch malträtieren, aufs Kreuz nageln, verhöhnen, entwürdigen und zerbrechen. Ihm einmal entgegentreten im Triumph unserer Ohnmacht als der Macht zu töten; denn das verstehen wir als einzigen Beweis unserer Macht: die Götter töten zu können, den Schöpfer zu zerstören, die Schöpfung zu verwüsten.


Mittwoch, 15. März 2017

Ein Interview mit mir sowie meine Kolumne in der Januarausgabe des Magazins STYLEGUIDE


Das Selbstportrait, mit dem das Interview mit mir bebildert ist, entstand beim Drehen meines aktuellen Architekturfilms.


Für die Januarausgabe des Retaildesign-Magazins STYLEGUIDE habe ich eine weitere Kolumne geschrieben sowie verschiedene Schaufenster fotografiert. Diesmal bin ich durch das weihnachtlich glitzernde Düsseldorf flaniert, um zu beschreiben, was sich dort in den Fenstern zwischen ganz minimalistisch und ganz opulent abgespielt hat. Im Zentrum meines Berichts steht dabei die Kugel in ihrer absoluten Perfektion und als Symbol für Geburt und Erneuerung.



In der Serie der PROFESSIONAL PROFILES ist im gleichen Heft zudem ein schönes Interview mit mir erschienen, in dem es um meine Begeisterung für Sprache und Kunst geht und auch darum, wie ich über die Mode und die Architektur zu den Themen Visual Merchandising und Retaildesign gekommen bin. Das Interview und die Kolumne können hier nachgelesen werden.




Breuninger, Düsseldorf

Dienstag, 7. Februar 2017

7up - Gold aus dem Depot: Eine Ausstellung zum siebenjährigen Bestehen der Galerie GRÖLLE pass:projects in Wuppertal



Die Galerie GRÖLLE pass:projects in Wuppertal feiert ihr siebenjähriges Bestehen mit einer Ausstellung, die einen Überblick über die Künstler der Galerie damit gleichzeitig einen Einblick in das künstlerische Weltbild des Galeristen Jürgen Grölle bietet. Die Ausstellung ist vom 28.01.2017 bis zum 26.02.2017 zu sehen, mit Arbeiten von:

Sabine Bokelberg, Keith Bowler, Jaana Caspary, Dan Devening, Bert Didillon, Chris Dreier, Gary Farrelly, Wolfgang Flad, Ann Christine Freuwörth, Carl Hager, Jonas Hohnke, Julia Keppeler, Isabel Kerkermeier, Pablo De Lillo, Alice Musiol, Jürgen Palmtag, Peter Paulus, Kim Piotrowski, Daniela Risch, James Rogers, Friederike Ruff, Volker Saul, Gary Stephan, Klaus-Martin Treder, Andreas Wünschirs, Julia Zinnbauer

Links: Jaana Caspari



Drei der Fotos, die seit Jahren bei meinen Architektur-Expeditionen entstehen, sind Teil der Ausstellung, wie z.B. das des Case Study House #22 von Pierre Koenig in Los Angeles (Link)

GRÖLLE pass:projects
Friedrich-Ebert-Straße 143e
42117 Wuppertal


T +49 (0)173 2611115
groelle@passprojects.de

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag: 16.00 - 19.00 Uhr, Samstags: 11.00 - 14.30 Uhr 




Freitag, 3. Februar 2017

we play architecture - Zwei meiner Kurzfilme sind bei www.architekturclips.de erschienen

Kurzfilme über Architektur von Julia Zinnbauer


Im Jahr 2007 begann der Architekt und Filmemacher Fred Plassmann (Link), auf seiner Seite www.architekturclips.de eine Sammlung von Architekturfilmen anzulegen, die heute eine riesige Anzahl von Dokumentationen und Kunstfilmen umfasst. Dass ich dort nun seit kurzem mit meinen Kurzfilmen Dimmi dove vanno (Link) und surveillance souterraine (Link) vertreten bin, freut mich sehr.



Sonntag, 29. Januar 2017

Das Kleid für die autogerechte Stadt

Über Mode, Architektur und Automobilismus


Mode, Automobil, Architektur


Das "Kleid für die Autogerechte Stadt" war im vergangenen Jahr bei verschiedenen Ausstellungen zu sehen, wie z.B. bei "Heimatplan" (Link / Link) in der Galerie GRÖLLE pass:projects in Wuppertal (Link) und im Rahmen des Projekts "Neue Heimat" in der galerie weisser elefant in Berlin (Link). Das Konzept, das dem Kleid als Bindeglied zwischen Architektur, Mode und Bewegung zugrunde liegt, habe ich im Folgenden einmal zusammengefasst, denn gerade in diesem Kleid fließen all meine meine Überlegungen und Experimente aus den vorangegangenen Filmprojekten, Kostümen, entworfenen Schnittmustern, Recherchen, Architektur- exkursionen und Texten in einem Objekt zusammen.

Architektur und Mode
Die Bewegung ist eines der Elemente, die eine Verbindung zwischen Kleidung und Architektur darstellen. Durch ein Gebäude muss man sich erst einmal hindurch bewegen, um es in seiner Gesamtheit verstehen zu können. Die Architektur verführt den Betrachter durch ihre Formen und Materialien dazu, sich in Bewegung zu setzen und zieht ihn auf diese Weise Schritt für Schritt in ihren Bann. Ähnlich verhält es sich mit Kleidung. Sie muss in der Bewegung funktionieren, verleitet den Träger aber auch durch ihre Proportionen, Volumina, Materialien und Formen, sich auf die eine oder die ganz andere Art und Weise zu bewegen, sich zu halten und sich zu positionieren.

In meinen Arbeiten begebe ich mich immer wieder auf die Suche nach den Zusammenhängen zwischen den verschiedenen Kunstformen, sei es in der Mode, der Literatur, der Architektur oder der Bildhauerei. Bewegungen lassen sich in Rhythmen übersetzen und somit auch in Proportionen, ganz unabhängig vom jeweiligen Material. Ein ideales Medium, um eine Verbindung zwischen verschiedenen Kunstformen herzustellen, ist der Film. In meinem Video mit dem Titel „surveillance souterraine“ (2014, Link) war es beispielsweise mein Ziel, die Linien und Proportionen dreier U-Bahnhöfe in Bewegungen umzusetzen und darüber hinaus Kostüme zu entwerfen, die den Materialien und Proportionen der Gebäude entsprechen.

Mode, Automobil, Architektur
Die Autogerechte Stadt
Seit dem 20. Jahrhundert spielt im Verhältnis zwischen Architektur und Bewegung noch ein weiterer Aspekt eine Rolle: das Automobil. Städte breiteten sich seit dem frühen 20. Jahrhundert parallel zu der immer schneller wachsenden Anzahl von Automobilen zu riesigen bebauten Flächen aus, wie beispielsweise Los Angeles, oder wurden nach dem Zweiten Weltkrieg in sogenannte autogerechte Städte umgebaut - mit breiten Durchgangsstraßen und neu angelegten Wohngebieten an der Peripherie. Eine dieser Trabantenstädte ist das Märkische Viertel in Berlin (Link), das in den Sechzigerjahren u. a. von Georg Heinrichs geplant wurde. Wer hier kein Auto hat, dem fällt es schwer, in den speziellen Genuss der modernen Großstadt zu gelangen.


Mittwoch, 18. Januar 2017

Meine Kolumne für das Magazin StyleGuide im November 2016: Wie aktuelle Modetrends ihren Weg in die Schaufenster finden

Über Neapel als ideale Kulisse und Sehnsuchtsort und Mode zwischen Messgewändern und barockem Marmor




Im vergangenen Sommer war ich gleich zweimal in Italien. Zunächst einmal saß ich im August unter Olivenbäumen am Lago die Bolsena, besichtigte Tuffsteindörfer, die hoch oben auf sich seit Jahrhunderten auflösenden, porösen Felsformationen saßen und verbrachte meinen Geburtstag in Rom – zwölf Uhr Mittags im Lichtkegel des Pantheons. Als dann im Oktober die Italiensehnsucht überhaupt nicht nachlassen wollte, stieg ich in einen VW-Bus, der bei mir vor der Tür hielt und an dem hinten ein Segelboot hing, und fuhr einfach mit – an den Gardasee. Und es war tatsächlich dort, im Segelclub Circolo Vela Arco, wo sich über den filigranen Masten der Katamarane ein riesiges Gebirge auftürmt, dessen Abwinde den ganzen See in Aufregung versetzen können, dass mich eine Nachricht erreichte, in der es um eine neue Kolumne für das Magazin StyleGuide (Link) ging. Natürlich sagte ich zu, konnte aber dank meiner aktuellen Situation nur ein einziges Thema vorschlagen: Italien. Italien als schönstes Land der Welt, Italien als Wiege der Kunst, Italien als Modezentrum, Italien als Markenbotschaft, Sophia Loren als ewige Markenbotschafterin Italiens, Neapel als italienischste Stadt überhaupt, etc.

Der fertige Artikel handelte schließlich davon, wie das Modehaus Dolce e Gabbana ein ganz bestimmtes Bild Italiens in die ganze Welt verkauft, die Altstadt Neapels in einen Laufsteg verwandelte (siehe Stefano Gabbanas Instagram-Posts, unten) und weltweit seine Niederlassungen immer individueller gestaltet. Zudem geht es auch um Schaufenster in Mailand und Düsseldorf. Die gesamte Kolumne kann man hier nachlesen: Link


Das Foto auf dem Titelblatt stammt von mir und zeigt ein Detail des
Franzen-Schaufensters auf der Königsallee in Düsseldorf
Das grüne Brokatensemble, das hier über das Kopfsteinpflaster schleift, stammt nicht von Dolce e Gabbana sondern von mir. Tatsächlich habe ich mir das barocke Korsett und den Meerjungfrauenrock einmal für eine Hochzeit in Caserta genäht, das ganz in der Nähe Neaplels liegt. Der Instagram-Account von Stefano Gabbana gibt weiter unten jedoch Auskunft über die eigentliche Modenschau, die in den Straßen Spaccanapolis stattfand.










Freitag, 2. Dezember 2016

Alice Musiol: Country. Eine Ausstellung im Museum Abtei Liesborn

Mein Text "Terra contrata" erscheint im Magazin zur Ausstellung

Alice Musiol: Ausstellungsansicht "Country"



























"Country" lautet der Titel der Ausstellung, die die kölner Künstlerin Alice Musiol (Link) für die Räume der Abtei Liesborn bei Lippstadt konzipiert hat und die am vergangenen Sonntag eröffnet wurde. Um das Projekt "Country" wortwörtlich über die Mauern der Abtei hinaus ins weite Land hinein weiterzuführen, hat sie diverse Künstler nach einem Bild- bzw. Textbeitrag gefragt und zu Ihrer Ausstellung ein Magazin veröffentlicht. Ich freue mich, dort mit meinem Text "Terra contrata" vertreten zu sein, zusammen mit Arbeiten von Chris Dreier, Bert Didillon, Pablo de Lillo, Julia Keppeler und anderen. Das Magazin liegt in der Ausstellung aus, die noch bis zum 05.02.2017 zu sehen ist, sowie hier: Link. Weitere Informationen dazu gibt es auf der Seite des Museums: Link. Zeitgleich zu Alice Musiols Ausstellung wurde im Museum Abtei Liesborn eine Ausstellung mit Werken des Innenarchitekten und Designers Martin von Wnorowski eröffnet, der an diesem Tag einhundert Jahre alt geworden wäre (Link).


Terra contrata
Das Wort „country“, das sowohl „Land“ bedeutet als auch häufig mit „Landschaft“ in Verbindung gebracht wird, fand seinen Weg in die englische Sprache ganz bildhaft im Rahmen einer Landnahme. Im Jahr 1066 machte sich der normannische Herzog Williame II. zusammen mit seinen Kriegern von Nordfrankreich aus auf den Weg über den Ärmelkanal, um das gesamte englische Königshaus und den Klerus zu beseitigen und durch eigene Landsleute zu ersetzen. Auf diese Weise fand die Sprache der Eroberer ihren Eingang in das Englische, vor allem aber in den Bereichen des Höfischen, der Verwaltung und des Rechts. Herzog Williame sprach mit dem Normannischen eine Varietät des Altfranzösischen, einer romanischen Sprache, die sich in den folgenden Jahrhunderten mit dem Angelsächsischen vermischen und fortan als Anglonormannisch bezeichnet werden sollte. Das altfranzösische „contree“, das Williame verwendete und das dem Wort „country“ zugrunde liegt, leitet sich vom vulgärlateinischen „(terra) contrata“ ab. „Contrata“, so das „Concise Oxford Dictionary of English Etymology“, wurde v.a. in Verbindung mit dem Wort „terra“ verwendet, also „terra contrata“, „das Land auf der gegenüberliegenden Seite“ bzw. „das Land, das sich vor jemandem ausbreitet“. 


Der Text "Terra contrata" von Julia Zinnbauer ist im Magazin zur Ausstellung "Country" von Alice Musiol erschienen.
"Country" - das Magazin zur gleichnamigen Ausstellung, aufgeschlagen eine Fotografie von Chris Dreier und mein Text "Terra contrata"




























Mittwoch, 9. November 2016

Screenshots digitaler Kultur: Ein Rückblick auf die Premiere des Festivals "die digitale düsseldorf"




Düsseldorf als Ausgangspunkt der digitalen Kunst
Dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt ist, in Düsseldorf ein ganz den digitalen Künsten gewidmetes Festival zu begründen, hat sich in den insgesamt vier Tagen der „digitalen düsseldorf“ (Link) deutlich gezeigt. Denn auch wenn die Stadt dank Kraftwerk und Nam June Paik als Ursprungsort der elektronischen Musik und Kunst gilt, liegt sowohl die Gründung der weltweit bekannten Musikgruppe als auch Nam June Paiks Tätigkeit an der Kunstakademie Düsseldorf doch schon einige Jahre zurück. Anstatt in die Vergangenheit zu blicken ist es notwendig, den zeitgenössischen digitalen Strömungen Düsseldorfs eine Plattform zu geben und sie in all ihrer Vielfältigkeit und Aktualität zu betrachten. Und noch etwas wurde im Rahmen des Festivals klar: es besteht aktuter Redebedarf. Denn zwischen Fortschritt, kühler Perfektion und technischer Klarheit auf der einen Seite und einer latenten Angst vor der geheimen Übermacht des Digitalen und all seiner Begleiterscheinungen auf der anderen Seite steht der Mensch, der offensichtlich noch einige Fragen zum Thema hat.

Da ich selbst noch keinen digitalen Doppelgänger habe, konnte ich leider nur einen Teil der unendlich vielen Konzerte, Performances und Ausstellungen sehen, die im Rahmen des Festivals stattfanden. Aber dank der digitalen Vernetzung kann man die einzelnen Elemente ja auch noch im Nachhinein betrachten, zumindest im virtuellen Raum.

digitale subtilitäten im onomato
Den Auftakt der „digitalen“ machten am Abend des 3. Novembers die Brause, damenundherren, die Galerie W5sieben und der onomato Videokunstverein. Die Macher des onomatos  (Link) hatten mich eingeladen, noch einmal meinen Kurzfilm „surveillance souterraine“ (Link) zu zeigen, den ich vor zwei Jahren Rahmen des onomato-Stipendiums gedreht hatte. Zu sehen waren im onomato insgesamt fünf Arbeiten, die sich auf der Schnittstelle zwischen digital und analog bewegten, Kurzfilme bzw. Animationsarbeiten von Rimma Aslarnow, Norbert Kraus, Igor Kirin, Gul Ramani und mir. In einem anschließenden Gespräch zum Thema „digitale subtilitäten“ bettete Axel Grube, Gründungsmitglied und Betreiber des onomato-Verlages, das Digitale in einen ethisch - philosophischen Diskurs ein. Dabei ging es u.a. auch um die Frage, ob die menschliche Moral in naher Zukunft von einem Logarithmus abgelöst wird. Ich kam nicht umhin, den digitalen Fortschnritt energisch zu verteidigen, da er doch zunächst einmal die Umsetzung so vieler künstlerischer Ideen ermöglicht, die ohne das Digitale bzw. Elektronische nie in Erscheinung treten würden. Bisher ist es doch immer noch der Mensch, der die Maschine lenkt und noch hat der T1000 (bekannt aus dem Film „Terminator II“ von James Cameron aus dem Jahr 1991) die Weltherrschaft nicht übernommen, insistierte ich. Auch mein Gegenpol war unter den Gästen vertreten und diskutierte mit: die typische ältere Dame, die aus Angst davor, von unsichtbaren Mächten ausspioniert zu werden, keine E-Mails empfängt. Frauke Berg, die nach dem Gespräch zusammen mit Anja Lautermann und dem gemeinsamen Musikprojekt „studium:stadt“ im onomato auftrat, brachte schließlich den treffenden Begriff des „Digitalen als Kulturtechnik“ ins Spiel. Das Digitale, das wurde an diesem Abend klar, wird noch lange Zeit Anlass für Diskussionen bieten.